2000 Jahre Kulturgeschichte – Lebendige Sagen im Land des Hermann

Viele Stunden lang haben die Dechen kunstvoll etliche Bund Roggenstroh zwischen die Speichen der sechs mannshohen Eichenräder gestopft. Jetzt halten sie eine Fackel ins trockene Stroh – sofort lodern die Flammen auf. Die Männer stoßen das Rad an. Innerhalb von Sekunden verwandelt es sich in einen riesenhaften Feuerball, der mit lautem Fauchen den Osterberg hinab ins Tal rast und springt und schlingert. Eine Urgewalt, die durch das Wissen der Dechen, wie man mit Feuer umgehen muss, gebändigt wird. Läuft das Rad gut, dann wird auch die Ernte des Jahres üppig ausfallen – so erzählt der alte Volksglaube.

KilianskircheMit Bräuchen, Mythen und Sagen überliefern Menschen die Werte ihrer Kultur, sie berichten über altes Wissen, sie erzählen von Liebe und Hass, von unerfüllter Sehnsucht und Leidenschaft. Der lippische Südosten ist voll von solchen Geschichten. Weihnachten anno 784: Karl der Große feiert das Weihnachtsfest in „Villa Liuhidi“ – dem Dorf Lügde. Im 12. Jahrhundert wird an dieser Stätte die Kilianskirche errichtet, eine romanische Gewölbebasilika. Sie gehört zu den ältesten Kirchen im damaligen Frankenreich. Übrigens soll Karl der Große bei seiner Stippvisite von dem heidnischen Brauch der Feuerräder gehört haben. Er ordnete an, dass die Räder nun zur Auferstehung Christi laufen sollen. Und so geschieht es bis zum heutigen Tag.

Das Eintauchen in vergangene Zeiten und alte Geschichten kann die Phantasie auf Spurensuche schicken. Vielleicht entdecken Sie die sagenumwobene eisenzeitliche Herlingsburg? Oder Sie begeben sich bei Vollmond zum Elfenberg, zwischen Blomberg und Schieder, wo sich in alter Zeit ein Bauernsohn vom Tanz einer Elfe bezaubern ließ. Wer weiß, vielleicht tanzt sie dort noch immer?

Ein anderes Szenario: ein Sommerurlaub im Jahr 1709. Die Fürstin von der Lippe erholt sich nebst Hofstaat im neu erbauten Barockschloss Schieder gemeinsam mit der Gräfin von Hohenlohe. Wellness und Genuss sind angesagt: Die Herrschaften haben sich diesen Ort für ihre Sommerfrische vor allem wegen des berühmten Brunnenquellwassers ausgesucht. So ganz nebenbei werden 1314 Pfund Rindfleisch, 31 Kälber, 193 Hühner, 5 Lämmer, 4 Spanferkel, 5 Maß Branntwein und 35 Fass Leichtbier verköstigt. Der ebenfalls neu gestaltete Schlossgarten erfreut das fürstliche Auge mit botanischen Raritäten: Orangenbäumen, seltenen Blumen und einer Lindenallee mit Wassergraben. Heute finden kulturelle Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des Schlosses statt. Und genau 300 Jahre nach diesem sagenhaften Sommer wurde der rekonstruierte Barockgarten 2009 festlich eröffnet – ein besonderes Kleinod barocker Architektur und Landschaftsgestaltung. Typisch lippisch: Die Schätze der Vergangenheit finden ihren Platz in der Gegenwart.

Sagenhaftes

Lügde

Schieder-Schwalenberg

  • Geschichte des Elfenbergs
  • Legende vom Stadtwasser

…und darüber hinaus

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